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Geschichte der Homöopathie

Das Prinzip der Homöopathie kann heute wie folgt erklärt werden: « Jede pharmakologisch aktive Substanz, die in der Lage ist, in erhöhten Dosierungen ähnliche Symptome bei gesunden Menschen hervorzurufen, kann beim einzelnen Patienten ähnliche Symptome abbauen, vorausgesetzt sie wird in geringen Dosierungen verwendet. ».

Diese von Hahnemann hervorgerufene und vielmals bestätigte Beobachtung war bereits von Hippokrates vorgefühlt worden, als er sagte : "Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt." Die Lebensgeschichte von Hahnemann illustriert diese Entdeckung.

Samuel Hahnemann, ein 1755 in Meißen (Sachsen) geborener deutscher Arzt, Toxikologe und Pharmakologe, lässt sich mit 24 Jahren als Arzt nieder. Schnell ist er vom Mangel an wirksamen therapeutischen Ergebnissen und von den Grenzen der Medizin seiner Zeit enttäuscht (er empfand die damals verwendeten Drogen zu aggressiv), beschließt er, seiner Arbeit nicht länger nachzugehen. Für seinen Lebensunterhalt  übersetzt er verschiedene Werke, bis er eines Tages, bei der Lektüre der medizinischen Ausführungen des schottischen Arztes William Cullen, verwirrt ist über dessen Erklärungen über die Wirkung von Chinarinde, das häufig dazu verwendet wurde, um das Sumpffieber zu behandeln. So kam ihm die geniale Idee, auf sich selber und seiner Familie ein Experiment zu unternehmen, um die tatsächlichen Auswirkungen kennenzulernen.

Die Feststellung von Hahnemann

Zum Zeitpunkt des Experiments in guter Gesundheit, stellt Hahnemann fest, dass die Verabreichung einer geringen Dosis von Chinarinde in ihm Fieber auslöst. Dieses Fieber ist in jeder Hinsicht vergleichbar mit dem Sumpffieber (Malaria), das mit einer erhöhten Dosis des gleichen Chinins bekämpft wird.

Die Hypothese von Hahnemann

Er kehrt das selbst empfundene Phänomen um und erwägt die Möglichkeit, Kranke durch die Verabreichung kleiner Dosierungen von Chinin zu heilen. Daraus ergibt sich für Hahnemann folgende Hypothese: « Könnte es nicht möglich sein, dass eine gewisse Substanz,  je nach Höhe der verabreichten Dosierung,  in der Lage ist, bei einem gesunden Menschen Symptome hervorzurufen und bei einem kranken Menschen ähnliche Symptome abzubauen? »

Um diese Hypothese zu testen, begann Hahnemann systematische Tests von pharmakologischen Substanzen der damaligen Zeit auf gesunde Personen zur Erforschung ihrer « reinen Wirkung ». Sämtliche Beobachtungen über jedes dieser Arzneimittel bilden seine Pathogenese. Er entledigt sich aller existierenden "Rezepte" dieser Zeit, die Mischungen beinhalten und verabreicht  nur noch einfache Arzneimittel in unterschiedlichen Dosierungen. Er testet die Wirkung dieser Arzneimittel zunächst auf sich selbst und auf seine Familie und Freunde und erst dann auf seine Patienten, indem er ihnen kleine Dosierungen von Substanzen verabreicht, die in höherer Dosierung bei gesunden Menschen die gleichen Symptome hervorbringen, die er bei seinen Patienten zu bekämpfen versucht.



Als er bemerkt, dass oft vorübergehende Verschlimmerungen zu Beginn seiner Behandlung auftreten, verringert er die Menge des medizinischen Wirkstoffs, den er seinen Patienten verabreicht; dies ist der Ursprung der Potenzierungen. Er erkannte dann, dass diese Verdünnungen keineswegs die therapeutische Wirksamkeit verringern, sondern sie sogar auf Grund von kräftigen Agitationen bei jeder Verdünnung noch verstärken. Dieses Phänomen nennt er "Dynamisierung". Die klinische Bestätigung wird durch die Heilung der meisten seiner Patienten erbracht. Seine Erfolge sprechen sich schnell herum und er erfährt grosse Anerkennung und wird bis über die Grenzen hinaus bekannt. Die Homöopathie entwickelt sich, aber schon bald ist Hahnemann der Reaktion mehrerer Ärzte und Apotheker ausgesetzt. [...] Ab 1811 veröffentlicht Hahnemann die Ergebnisse seiner eigenen Tests auf den gesunden Menschen. [...] Zwölf Jahre Experimentieren waren notwendig, damit Hahnemanns Hypothese als bewährte Methode anerkannt werden konnte. Sie basiert auf dem Prinzip der Ähnlichkeit,  das wie folgt erklärt werden kann: « Jede pharmakologisch aktive Substanz, die in der Lage ist, bei gesunden Menschen in erhöhter Dosis ähnliche Symptome hervorzurufen, kann beim einzelnen Patienten ähnliche Symptome abbauen, vorausgesetzt sie wird in geringen Dosen verwendet. »

Die Definition der Homöopathie durch die beliebte Phrase "das Böse mit dem Bösen bekämpfen" ist sicher eine etwas irreführende Aussage, sie gibt aber die Grundidee der Methode wieder: Ähnliches  wird durch Ähnliches geheilt.


Aus dem Buch : Homéopathie le conseil au quotidien (Homöopathie, Ratschläge für den Alltag)
Michèle Boiron - Apotheker und Alain-Payre Ficot - Apotheker